Titel Kesselhaus Cham
Jahr 2026
Kunde Cham Swiss Properties AG

Das Kesselhaus war einst die Energiezentrale der Papierfabrik Cham. Dampfkessel und Turbinen versorgten die Produktion, die zwei markanten Kamine machten seine Funktion weit über das Areal hinaus sichtbar. Heute wird die ehemalige Papierfabrik als Teil des neuen Wohn- und Arbeitsquartiers transformiert. Das denkmalgeschützte Kesselhaus bleibt dabei ein zentraler Ort: mit Restaurant, Büroflächen und Fitness wird es zum öffentlichen Treffpunkt im neuen Quartier.

Die Signaletik entwickelt sich aus der industriellen DNA des Gebäudes. Konstruktion, Rhythmus, Materialität und die Präsenz zylindrischer Elemente – von den ehemaligen Papierrollen bis zu den Kaminen – werden in ein neues visuelles System übersetzt. Runde Stäbe aus Stahl und Licht formen Schrift, Ziffern und Zeichen. Die Gestaltung greift damit nicht nur Motive der Architektur auf, sondern führt ihre Sprache konsequent weiter.

An der Aussenfassade wird die Beschriftung direkt in die Wellenstruktur der Metallhaut eingeschrieben. LED-Stäbe folgen ihrem Rhythmus und formen den Namen des Gebäudes. Tagsüber wird die Schrift Teil der Fassade, in der Dunkelheit entwickelt sich das Kesselhaus zum weithin sichtbaren Lichtzeichen – fast wie ein Leuchtturm für das neue Quartier.

Im Inneren setzt sich dieses Prinzip fort: Aus Rundstäben konstruierte Zeichen reagieren auf Beton, Stahl und die rohe Materialität des Bestands. So wird die Signaletik zu einem selbstverständlichen Teil des Hauses – präzise integriert, klar in ihrer Funktion und zugleich eng mit dem Charakter des Kesselhauses verbunden.

Titel verywood – Austrian Architecture Today
Jahr 2025
Kunde VAI – Verena Konrad Hermann Kaufmann
Kuratoren Hermann Kaufmann und Verena Konrad
Konzept / Raumskulptur / Design Atelier Andrea Gassner
Berater Name und Inhalte Reinhard Gassner, Roland Jörg
Konstruktive Planung HK Architekten
Statik / Produktion Fetz Holzbau
Redaktionelle Zusammenarbeit proHolz Austira
Fotografie Toru Kobayashi

Nach Osaka reist die Ausstellung verywood nun weiter nach Tokio. Am 9. September findet die Vernissage im SHIBAURA HOUSE in Tokio statt – einer architektonischen Ikone von Kazuyo Sejima + Ryue Nishizawa / SANAA. Es ist uns eine große Ehre, mit verywood – Austrian Architecture Today in diesem einzigartigen, lichtdurchfluteten Raum auszustellen. Die Ausstellung ist bis zum 23. September 2025 zu sehen.

Art objects created by Andrea Gassner 

Wie soll denn das gehen? Die verblüffende Renaissance des österreichischen Holzbaus in Japan zu präsentieren? Langsam sickert es ja auch in der internationalen Öffentlichkeit durch: Die »Wald-Bau-Pumpe« könnte einer der Rettungsanker auf der Suche nach dringend ausstehenden Antworten werden, um dem verhängnisvollen Klimawandel Einhalt zu gebieten. 

Die künstlerische Intervention von Andrea Gassner ist wie geschaffen für dieses komplexe Thema, aber auch für den Auftritt vor dem Zielpublikum eines der renommiertesten japanischen Kunstraums. Sie kreierte raumgreifende Faltobjekte aus schlanken Dreischichtplatten in drei verschiedenen Stadien der Entfaltung. Die fast »fliegenden Figuren« konnotieren die besondere Ästhetik und Lebendigkeit von Holz, seine Leichtigkeit und das konstruktive Fügen von flächigen Hightech-Werkstoffen. Kein Zufall, dass sich Andrea Gassner dabei auf die bekannte japanische Origami-Kunst bezieht. Papier ist letztlich Holz. Und, die Gestalterin kontextualisiert damit formal die Bezugspunkte von japanischer und österreichischer Kunst und Kultur. 

Titel Roger Boltshauser - Response
Jahr 2024
Kunde Roger Boltshauser
Foto Luca Ferrario
Produktion Mader Werbetechnik

Die Ausstellung von Roger Boltshauser basiert auf diesem Prinzip: Sie übernimmt Elemente von einem Ausstellungsort zum nächsten und interpretiert und überschreibt sie am neuen Ort neu. Das szenografische Konzept für České Budějovice ist eine Weiterentwicklung der früheren Ausstellung im Brennofenturm von Boltshauser auf dem Gelände des Ziegeleimuseums in Cham. Dort entwickelte Atelier Andrea Gassner, inspiriert von der faltbaren Eisentür des Gebäudes, hohe, geneigte Elemente, die jeweils aus drei übereinander angeordneten Bildtafeln bestehen. In der Ausstellung in České Budějovice sind diese Tafeln gewachsen; sie erstrecken sich über die Decke, führen durch Türöffnungen zwischen den Räumen oder stehen wie vertikale Faltbücher frei im Raum.

Die Szenografie entwickelt sich zu einer Architektur, die in den Raum eingreift und völlig neue Sichtweisen und Bildräume ermöglicht. Neben Renderings aktueller Projekte werden beeindruckende Schwarzweißaufnahmen des Fotografen Luca Ferrario sowie Fotografien aus früheren Ausstellungen gezeigt. Im Gegensatz zur raumgreifenden Szenografie wird Boltshausers Kunstwerk auf klassische Weise an den Wänden der Galerie präsentiert; die Werke hängen dicht nebeneinander in strengen, einheitlichen Rahmen.

Die Gebäudemodelle stehen wie Skulpturen auf einzelnen Podesten und deuten eine subtile Verbindung zwischen künstlerischer und architektonischer Arbeit an. Im Sinne von Re-Cycle und Re-Build sind die grundlegenden Ausstellungselemente wie Regale für Materialproben, Bildtafeln und Podeste vollständig aus unbehandelter Wabenkartonage gefertigt.

Titel Alterszentrum Kloster Ingenbohl
Jahr 2024
Kunde Kloster Ingenbohl
Architektur Boltshauser Architekten
Produktion Grafe AG

Ohne Berührungsängste oder plumpe Effekthascherei verschafft der blockartige Neubau von Boltshauser Architekten an der Hangkante des Klosterhügels dem Baubestand ein modernes Gepräge. Die vertikale Ebene lebt von der markanten Schichtung des Bauwerks in Geschossen über dem Plateau und den teilweise sichtbar im Hügel verankerten Untergeschossen. Durch seine privilegierte Setzung auf dem Plateau ergaben sich zwei beinahe komplementäre Blickachsen: im Osten die Bergen, im Westen der Vierwaldstättersee. Das Gestaltungskonzept für die Wegfindung im Haus basiert auf diesem Gegensatzpaar und nutzt die Semantik der Worte »Berg« und »See« zur Orientierung in der Hauptausrichtungen des Hauses. 

Subtil werden die Bedeutungen in der Typografie und Satzanordnung weitergespielt. Während die dem See zugeordneten Ziffern, Zeichen und Buchstaben wie Gefäße ausgehöhlt sind, bleiben die auf die Bergseite verweisenden Lettern geschlossen und körperhaft. Bei den zweizeilig gesetzten Stockwerksinformationen steht der Begriff »Berg« oberhalb, der Begriff »See« dagegen unterhalb der Zahlenreihe für die jeweilige Raumnumerierung.

Für die Bezifferungen und Beschreibungen wurde eine hochwertige Typefamily mit unterschiedlichen Schriftschnitten – von der klassizistischen Antiqua mit kräftigen Versallettern bis zur serifenlosen Linear-Antiqua – ausgewählt und flexibel angewendet. Der Würde des über 150 Jahre alten Frauenordens soll genauso Rechnung getragen werden wie den Anforderungen der Lesbarkeit und einer zeitgemäßen Ästhetik. Um die Sprache der Architektur aufzunehmen, ordnet sich die Materialisierung dem baulichen Farb- und Materialkanon unter. Die Lettern der Außenbeschriftung auf den Trasskalkfassaden sind in Eisen sandgestrahlt und feuerverzinkt und im Inneren auf verschiedenem Grundmaterialien in farblosem, mattiertem Akrylglas ausgeführt. Die typografische Anordnung zeigt Ruhe und Gelassenheit. Auch die Plandarstellung für die Standortidentifikation und Gesamtorientierung überrascht durch ihre Aufgeräumtheit und Schmucklosigkeit. Es ist wie ein tabellarisches Satzbild, das durch seine Gestaltung mit Linien fast von selbst zum Raumschnitt des Gebäudes mutiert, aber gleichzeitig die erforderliche Übersicht und Orientierung leistet.