Titel Signaletik als spielerisch pädagogische Interaktion
Jahr 2023
Kunde Amt der Stadt Feldkirch – Hochbau; Bmst. Dipl.-Ing. (FH) Jürgen Hafner
Architektur Querformat ZT
Produktion Mader Werbechtnik, MGT Mayer Glastechnik, Hartmann Fensterbau, Huber Schriften Muntlix
Wenn ein Schulgebäude im Sinne der Kennzeichnung und Orientierung beschriftet werden soll, liegt neben den Anforderungen für die Signaletik, das erzählerische Spiel mit Buchstaben nahe; lernen doch die Kinder in diesem Haus erst richtig lesen und schreiben. Für den Neubau der VS Altenstadt verwebte das Atelier Andrea Gassner die signaletische Gestaltung buchstäblich mit der Architektur und ihren haptisch, naturbelassenen Materialien. Zu sehen sind Buchstaben, lasergeschnitten in massivem Eschenholz, als bunte Polstermöbel und als leuchtend gelbes Plexiglas mit zauberhaften Farbreflexionen – direkt zwischen der Mehrfachverglasung. Basierend auf der Lernmethodik des Schreibens entwickelte das Atelier eine eigene Schrift. Die schön geformten Versalien sind entsprechend den Schwungbewegung dieser Methotik in zwei Elemente aufgeteilt. Das Spiel mit den Formen der Buchstaben wird besonders bei den Sitzmöbeln im großen Lichthof wirksam. Die Polster zum Lümmeln, Sitzen und Turnen entschlüsseln sich, von den oberen Stockwerken aus betrachtet, als Worte, gebildet aus den Buchstaben für »PAUSE« und »INSEL«. Das Mobiliiar darf umgestellt und neu angeordnet werden. Dann entstehen daraus Anagramme mit ganz neuen Wortschöpfungen. Die fast wandhohen Versalien an den Außenfassaden bieten neben der bunt leuchtenden Fernerkennung zusätzlich einen wirkungsvollen Anprallschutz. Wie ornamentale Wandgrafiken wirken die Wortwolken bei den Eingängen der Klassen. Die Kolumnen mit übereinander angeordneten Zahlen und Buchstaben bei den Eingangstüren zu den Klassenräumen sind ein einfaches Stecksystem zur variablen Raumbeschriftung. Das alles dient der Orientierung und Wegleitung am und im Haus, aber darüber hinaus bewusst einer spielerischen, pädagogischen Interaktion und Wahrnehmung. Das Atelier Andrea Gassner ist mit dieser Gestaltung kreativ und interdisziplinär unterwegs: Zwischen Raum und Grafik, zwischen Systematik und Design, zwischen Spiel und Didaktik.
Titel Den Weg bregreifen
Jahr 2023
Kunde Gemeinde Widnau
Architektur Cukrowicz Nachbaur Architekten
Produktion Peter Andres, Paul Zellweger AG, Kurt Seiwald
In Institutionen (wie zB. Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen, Kindergärten) wo das kognitive Verhalten eingeschränkt ist aus unterschiedlichen Gründen ist die emotionale Ebene bedeutend. Immer auf der Suche nach neuen Antworten auf die Frage, wie uns gutes Design berühren kann, bearbeitet das Atelier Andrea Gassner in der Signaletik derzeit einen spannenden Ansatz. Die Haptik – im Produktdesign Pflicht – scheint dort Stiefkind zu sein. Doch für die Gestalterin sind visuelle Leitsysteme mehr als Markierungen, mehr als pure Verortung im Raum. Es gibt auch eine intuitive Orientierung, die auf einer emotionalen Ebene wirkt. Dies wird bei Orientierungssystemen oft unterschätzt oder sogar ignoriert, so Andrea Gassner. In einem laufenden Projekt zur Bedeutung der Signaletik in Pflegeeinrichtungen für ältere Menschen mit Demenz und Sehbehinderung wird in enger Zusammenarbeit mit den Architekten Cukrowicz Nachbaur die Wirkung und Bedeutung von Sinnesreizen zur Orientierung im Raum thematisiert: Was bleibt, wenn Sehen, Hören und Erkennen schwinden? Wie können wir den alten Menschen mehr Sicherheit und Orientierung geben? Ziel ist es, ein neues Leitsystem zu entwickeln, das den Tastsinn ansprechen soll. Unterschätzt wird der Einfluss der Haptik in der Signaletik. Über die Haut sind wir permanent in Kontakt zur Außenwelt. In unsere Studie mit alten Menschen, darunter demente und Menschen mit Sehbehinderungen untersuchten wir, wie wir mit einem Spürangebot in der Signaletik die Menschen unterstützen. Das Ziel ist nicht nur den kürzesten Weg zu zeigen, unser Ziel ist es, den Weg zu begreifen. Damit wir die Welt begreifbar machen, erarbeiten wir in unserer Signaletik eine zweite Ebene und verbinden die kognitive mit der emotionalen Ebene. Nichts emotionalisiert und überzeugt uns mehr als das, was wir mit unseren eigenen Händen begreifen und uns mit unseren Fingerspitzen erfahrbar machen können. Gemeinsam mit den alten Menschen im Haus untersuchten wir verschiedene Holzarten, Oberflächen und Formen. Aus der Studie entwickelten wir Handläufe, die helfen sich in den verschiedenen Stockwerken und Gebäudeteil zu orientieren. In der Produktion wurden die Handläufe von Hand gedrechselt und in Form gebracht. Die Strukturen wirken durch das Handwerk lebendig und es ist jeder Laufmeter einzigartig.
Titel Antoniushaus Feldkirch
Jahr 2023
Kunde Antoniushaus Feldkirch
Photographer Cornelia Hefel
Zusammenarbeit Zumtobel Leuchten, Kalb Metallbau
Das Antoniushaus Feldkirch ist seit über 120 Jahren ein Ort der Kreuzschwestern. Es ist heute ein Haus der Generationen mit Schwesternkonvent, Kindergarten, Alters-, Wohn- und Pflegeheim. Das Atelier gestaltete im Jahre 2013 im Zuge der Revitalisierung und Erweiterung des Hauses die Signaletik und Glasgrafiken zum Sichtschutz. Um den Zugang besonders zu markieren, erhielt das Atelier Andrea Gassner nun den Auftrag für die Gestaltung eines passenden Elements. Referenzen für den Entwurf waren das Logo und die Leitbilder der internationalen, franziskanischen Ordensgemeinschaft. Das bestehende Logo bildet eine Kreuzform mit schlanken Öffnungen in einem Quadrat. Das Kreuz ist hier Sinnbild der Kreuzschwestern. Die dreidimensionale, in die Höhe wachsende Kreuzform auf dem Grundriss des Logos vermittelt einen neuen, skulpturalen Ausdruck des bestehenden Symbols. Dort wo die vier Stahlecken zusammentreffen, entstehen Öffnungen ins vertikale Innere. In der Dämmerung und Nacht leuchten aus diesen Öffnungen Lichtstreifen, somit erweitert sich die Skulptur nach außen und am Boden. Der Gründer des Ordens P. Theodosius Florentini prägte das Leitwort »Was Bedürfnis der Zeit, ist Gottes Wille.« Dieser Satz findet sich auf Augenhöhe in den Innenräumen der Kreuzform. Die Antiquaschrift »Swift« mit ihren gestreckten Serifen und ausgeprägten Buchstabenformen bilden den passenden Kontrast zum rostig, rauen Untergrund in Cortenstahl.